07.07.17

Alte Burgen, Boote, Motorräder: Des einen Schrott ist des anderen Lebenstraum

Luxusvilla, Luxusyacht, Luxusauto: Viele Menschen können nichts anfangen mit den glänzend-neuen Statussymbolen der Superreichen. Ihr Herz schlägt für das Alte, in liebevoller Handarbeit aus Trümmern zu neuem Leben erweckt: Was ist so reizvoll an alten Burgen, Booten und Motorrädern, dass Menschen ihr halbes Leben dafür in der Werkstatt verbringen?

Das Burgenfieber hat Matthias Helzel früh erwischt: “Ich war in den Ferien mit meinen Eltern immer im Rheinland, der deutschen Burgenregion schlechthin, da ist meine Leidenschaft für diese Bauwerke entstanden und hat mich nie wieder losgelassen.” Helzel kennt fast jede Burg in Deutschland, organisiert Reisen und Führungen – “und irgendwann ist das losgegangen, dass mich die ersten Burgbesitzer angesprochen haben, ob ich ihnen nicht helfen kann, ihre Objekte zu verkaufen.”

Heute ist es Helzels Beruf, Menschen ihren Traum von der eigenen Burg, dem eigenen Schloss zu verwirklichen. Seine Maklerfirma “Vermittlung historischer Immobilien” hat alles im Katalog: von vollsanierten Traumanwesen bis zu beklagenswerten Gemäuern, die ihren stolzen Besitzer vor allem eines einbringen: Viel viel Arbeit und noch mehr Rechnungen.

Wen die Leidenschaft für das Alte packt, der braucht Ausdauer und Demut: “Wer eine Burg kauft, der muss sich klar darüber sein, dass er nur ein Kapitel in der Geschichte dieses Bauwerks ist”, sagt Helzel. “Die Burg war lange vor ihm da und wird lange nach ihm da sein.” Teil einer Geschichte zu sein, die einen selbst überdauert – es ist diese Faszination, die viele Menschen von Dingen träumen lässt, die andere nur als Schrott, als Fass ohne Boden oder Spleen betrachten. Das halb verfallene Herrenhaus, das über Jahre in liebevoller Eigenarbeit saniert wird. Das historische Motorrad einer längst vergessenen Marke, dessen fehlende Teile nach alten Bauplänen eigens neu angefertigt werden müssen. Die dahinmodernde historische Holzyacht, deren Wiedergeburt in der Bastelscheune Jahre verschlingt. Vielleicht wäre ein Neubau einfacher, billiger, sinnvoller. Aber ein Neubau erzählt eben keine Geschichten von vergangener Größe wie die Commuter-Yacht, die auf dem Portal Classicdriver.com zum Verkauf steht: Erbaut 1929 für einen reichen Geschäftsmann, der damit von seinem Anwesen auf Long Island zur Arbeit nach Manhattan pendelte. Wie man das eben so machte in der Great-Gatsby-Ära, zur Arbeit fahren in einem Traum aus Mahagoni, komplett mit Salon, Bad, Küche und Schlafgemach für, ja, die weite Überfahrt wahrscheinlich – wenn diese Kojen reden könnten! Sechs Jahre lang hat der Vorbesitzer das Schiff auf einer italienischen Werft restaurieren lassen – auf der Basis von aufwendig recherchierten Konstruktionsplänen.

Ein Stück Geschichte wieder zum Leben erwecken: Diese Leidenschaft ist in den letzten Jahren größer geworden, sagt Helzel. “Wenn ich heute Kunden in ein Schloss führe, das in den 60er-Jahren modernisiert worden ist, bekommen die einen Schreck, wie man damals mit der Bausubstanz umgegangen ist. Das Motto war oft: Raus mit dem alten Mist.” Linoleum auf dem Festsaalparkett, abgehängte Decken durch den Stuck geschlagen, übertapezierte Fresken – “da braucht man manchmal Fantasie, um sich vorzustellen, wie das mal war.”

Wer sich auf diese Aufgabe einlässt, der kann auch schon für vergleichsweise wenig Geld zum Burgherren werden. Es müssen nicht immer die fünf Millionen Euro sein, für die Solarunternehmer Frank Asbeck einst Thomas Gottschalk sein Schloss Marienfels abkaufte. Schon für gut 200.000 Euro gibt es Gebäude, an denen einiges zu machen ist und die auch in anderer Hinsicht nicht ganz perfekt sind, sagt Helzel: “Da haben Sie dann zum Beispiel eine beschwerliche Lage auf dem Berg und müssen alles durch einen hohen Treppenturm hochschleppen. Oder das Grundstück gehört zum Teil dem Nachbarn, gerade im Osten hab es da oft komische Aufteilungen.”

Trotzdem sind es gerade diese Objekte, die schnell weg sind, sagt Helzel. “Klassische Burgen werden immer sehr gesucht, viele Leute sparen da lange drauf, da sind kleine Anlagen besonders schnell weg.” Seine Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Schichten: Der Handwerker, der sich altes Wissen angeeignet hat und ein Objekt sucht, an dem er sich austoben kann ebenso wie der reiche Unternehmer oder die Familie, die raus will aus der Stadt. “Gerade sehen wir den Trend, dass Stadtmenschen sich zwei, drei Pferde halten und die kommen dann irgendwann auf die Idee: Wir kaufen uns ein Herrenhaus auf dem Land, leben da mit unseren Tieren und fahren zur Arbeit in die Stadt.”

Wobei sich viele Kunde zuerst falsche Vorstellungen machen von ihrer Traumimmobilie: “Manche kommen und sagen: Wir wollen endlich mal richtig viel Platz, 2000 Quadratmeter Wohnfläche. Denen muss ich oft sagen: Das wird Ihnen viel zu groß sein und das glauben die mir erst dann, wenn ich sie durch ein Objekt führe und sie zum ersten Mal spüren, wie groß 2000 Quadratmeter wirklich sind.” Und auch die schöne Vorstellung vom 10-Hektar-Anwesen kann schnell an Reiz verlieren, wenn den angehenden Besitzern klar wird, wie viel Grünfläche es da auf einmal zu pflegen gilt – vor allem, wenn es sich noch um eine denkmalgeschützte Parkanlage handelt.

Wobei der Denkmalschutz deutlich weniger Probleme mache, als man gemein hin glaube, findet Helzel: “Meistens haben die Käufer ja ein Interesse daran, dass diese historischen Gebäude erhalten bleiben. Und die Menschen im Denkmalschutz möchten, dass man MIT ihnen arbeitet. Ja, es gibt Grenzen, auf denen sie beharren, aber insgesamt sollte man keine Angst davor haben.”

Was sich aber jeder angehende Schloss- oder Burgbesitzer überlegen sollte: Ob ihm das Leben in der selbst gewählten Einsamkeit behagt – und seiner Familie. “Bei einem Schloss im Tal ist das noch relativ unkompliziert”, sagt Helzel, “aber wenn Sie Ihren Wocheneinkauf nur zu Fuß oder per Flaschenzug nach Hause tragen können, dann müssen Sie das schon wirklich wollen.”

 


Svenja

Svenja

Svenja

Auch wenn sie selbst noch auf den großen Jackpot hofft – über Lotto-Gewinner aus aller Welt, unsere Tipp24-Gewinner und natürlich die schönsten Lotto-Geschichten weltweit zu berichten, ist für Svenja eine – naja, fast genauso große Freude. Und schließlich gibt es doch kaum etwas, das mehr zum Träumen einlädt, als inspirierende Glücksmomente, stimmt’s? Mehr von Svenja …


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