Geplatzte Konfetti-Überraschung

21.04.2014

Lisa Glücks Kolumne: Geplatzte Konfetti-Überraschung
Der Plan war genial. Malte hatte am Donnerstag Geburtstag und wollte auf keinen Fall feiern. „Lass uns doch nett essen gehen“, schlug er vor. So wie jedes Jahr. Gääähn. Nee, nix da, mein Freundchen, hab ich gedacht, du wirst nur einmal 35. Lass es mal richtig krachen, nicht immer nur Tomate-Mozzarella und Thunfisch-Pizza. Das ruft nach einer Überraschungsparty!

Kurz vor acht, Malte war auf dem Weg zu unserem Lieblingsitaliener, trafen Mia, seine Fußball-Kumpel und ich uns bei ihm in der Wohnung. Um zehn nach acht kriegte ich eine SMS von Malte: „Wo bleibst du denn?“ Ich schrieb zurück: „Sorry, mir ist was dazwischen gekommen!“ Da ich meinen Malte kannte, wusste ich genau, dass er auf keinen Fall alleine im Restaurant sitzen bleiben würde. In spätestens 15 Minuten würde er hier in der Wohnung aufschlagen, soviel war sicher.

Schon fünf Minuten später hörte ich Schritte im Treppenhaus. Jemand schloss die Wohnungstür auf. „Es geht los!“, flüsterte ich den Partygästen zu, die sich im Wohnzimmer versteckt hatten. Ich schlüpfte hinter die Gardine. Sobald Malte den Raum betrat, wollten wir „Happy Birthday“ singen und ihn mit Konfetti bewerfen. Ich hatte mich in letzter Sekunde gegen den Vorschlag „Bierdusche“ durchgesetzt. Malte ist doch so ein Spießer und seine Auslegeware ist ihm heilig. Flecken auf dem Teppich? Da wär‘ der Abend gelaufen.

Jemand tappte durch den Flur. Ich holte schon mal tief Luft, um gleich laut loszusingen. Die Wohnzimmertür ging auf und ... „Hallooo?“ Moment mal, das war eine Frauenstimme. „Malte, bist du da? Ich hab deine Unterwäsche gewaschen und gebügelt.“ Das Licht im Wohnzimmer ging an. „Happy Birthday!“ Kumpel Fredi, der alte Blitzmerker, warf Maltes Mutter eine Ladung Konfetti an den Kopf. Die starrte ihn erschrocken an. So nach und nach kamen wir aus unseren Verstecken. Ich war ehrlich erschüttert: „Du wäscht Maltes Unterhosen?“ Seine Mutter wurde rot: „Also, äh, nee, das war nur eine Ausnahme, echt!“ Mia wälzte sich mit einem Lachkrampf auf der Couch: „Sie! Bügelt! Seine! Schlüpper! Brüller!“

Das Ende vom Lied war, dass alle noch ein paar Bierchen zischten und ein paar Häppchen verdrückten und dann nach Hause gingen. Malte, das Geburtstagskind, torkelte weit nach Mitternacht in seine Wohnung. Der italienische Wirt hatte wohl Mitleid mit seinem Stammgast gehabt und ihn ordentlich abgefüllt. „Ischliebedisch“ waren Maltes letzte Worte, bevor er wie tot ins Bett fiel. Warte erstmal das nächste Treffen mit deinen Fußballkumpeln ab, seufzte ich leise. Das könnte sich eventuell bald ändern...

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